Hopfenbauer Ostler schippt den getrockneten Hopfen
Handwerk
Autor: Hanno Meier
Fotos: Hanno Meier

Die Diva der Hopfenbauern

Das Bier und seine edelste Zutat: Hopfenernte in der Hallertau

Mäandrierende Flüsse, runde Zwiebelturmkirchen, saftig grüne Auwiesen und propere Höfe. Das Landschaftsbild der Hallertau ist an und für sich schon ein Idyll. Die unzähligen Stangenwälder, die im schrägen Winkel aus der Erde ragen, aber geben dem bayerischen Dreieck zwischen Ingolstadt, Abensberg und Landshut jenes unverkennbare Gesicht und die zahlreichen schattigen Biergärten ihre bierselige Kultur. Wir sind in der „Holledau“, wie die Einheimischen sagen, dem größten Hopfenanbaugebiet der Welt. Es ist Anfang September und auf dem Hof von Hans Ostler beginnt die Ernte des weltberühmten Bierveredlers. Von Sechs Uhr in der Früh bis 19 Uhr am Abend sind der Hopfenbauer und seine gesamte Familie mit den Erntehelfern täglich auf den Beinen. Vier bis sechs Wochen lang viel Arbeit für süffige Biere auf der ganzen Welt.

Hopfenbauer Ostler blickt nach oben zu den Hopfenreben

„Dem Brauer würde es am billigsten kommen, wenn er sein Bier allein mit Alpha-Hopfen braut. Aber dann schmeckt das Bier nicht“, lacht Hans Ostler. Sein Handy klingelt. Plötzlich wird der Hopfenbauer aus Oberulrain, unweit von Neustadt an der Donau, unruhig. Zeit seine Dolden eine Stufe weiter zu schicken im dreistufigen Trocknungsprozess. 65 Grad zeigt das Thermometer hier oben in der Darre des properen Hallertauer Hopfenhofes. Die Luftfeuchtigkeit ist hoch wie im Dampfbad. Es rumpelt und poltert. Mit dem hölzernen Rechen in der Hand wacht der Chef akribisch über die Ernte der beiden Hopfenhöfe, die er bewirtschaftet. „Der eine ist der Hof vom Opa und der andere der von der Oma“, erzählt Sohn Johannes (15), der den Traktor mit dem maschinellen Hopfenernter wie ein Alter durch die Hopfenstangen steuert. Am Hof füttern die Erntehelfer die Zupfmaschinen, die unter ständigem Rattern die hellgrünen Dolden vom Rest der Kletterpflanze trennen. Von dort geht’s weiter in die Darre. Dass die Dolden sauber über die gesamte Trocknungsfläche verteilt sind, darüber wacht Hans Ostler am liebsten selbst. „Eine Stunde dauert jede der drei Trocknungsstufen“, sagt er: „Im Durchschnitt.“ Der Hopfen ist ein Naturprodukt. Da ist jeder Tag anders und ebenso jede Stunde des Tages. Mit dem Tau am Morgen ist der Hopfen noch nass. Mittags, wenn es heiß wird, ist er „eh schon trocken“. Das Bimmeln des Handys ist deshalb nur ein grober Anhaltspunkt. Der Grad der Trocknung ist andererseits ein wichtiger Aspekt der Qualität und die wiederum bestimmt den Preis, den der Hopfenbauer am Ende des Tages dafür erzielt.

Der 15-jährige Johannes mit einer Hopfenrebe über der Schulter

Der Doldenblütler ist ein empfindliches Gewächs und „will jeden Tag seinen Herrn sehen“, sagt ein uraltes Sprichwort aus der Hallertau, dem größten zusammenhängenden Hopfenanbaugebiet der Welt. Das gilt die ganze Vegetationsperiode lang. Kein Tag, an dem Hans Ostler nicht mit dem Trecker hinausfährt und durch sein Hopfengärten streift. Egal ob es regnet, stürmt oder die Sonne vom Himmel brennt.

Zur Ernte allerdings herrscht Ausnahmezustand auf dem Hopfenhof. Der Tag beginnt weit vor dem Morgengrauen und wenn er endet, wärmt die Sonne längst die andere Hälfte der Welt. In der Hallertau arbeiten noch echte Familienbetriebe auf dem Feld. „Da schaut jeder, dass alles optimal läuft“, sagt Ostler. Nicht zuletzt deshalb sei die Qualität hier auch so einzigartig. „Saphir“, sagt er, schöpft eine große Kelle voll blassgrüner Dolden vom Trockenboden und hält den hochwertigen Aromahopfen unter die Nase des Gastes. Ein betörender Duft von der Diva unter den Hanfgewächsen, dem humulus lupulus, wie er lateinisch heißt, steigt auf. Die kleine Kostprobe bestätigt Geschmack und Qualität – und hinterlässt gleichzeitig einen bitteren Erfahrungswert. „Der Saphir zählt zu den wertvollsten Hopfensorten, die dem Bier sein Aroma verleihen“, sagt Ostler voller Stolz. Wenn abends die erste frische Halbe Bier aus einer der umliegenden Brauereien im Glas aufschäumt, dann weiß der Hopfenbauer, dass diese herrliche Bittere, die Haltbarkeit und viel von dem guten Geschmack auch von seinen Hopfengärten kommen. Und dann sind alle Anstrengungen des Tages schnell vergessen.

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