Die deutschen Feuerwehrsportler jubeln in Kanada über ihren Sieg
Einsatz
Autor: Anna Möller
Fotos: Anna Möller

Die mit den gelben Kappen

Weltmeisterschaft in Kanada: Zwölf deutsche Feuerwehrleute haben sich Anfang September dem rot-gelben FireFit-Parcours in Spruce Meadows gestellt. Neben Titeln haben die Sportler:innen viele Erinnerungen mit nach Hause genommen. Feuerwehrfrau Anna Möller berichtet.

Eröffnungsfeier mit Gänsehautfaktor

“When I am called to duty, God, whenever flames may rage; Give me the strength to save some life, whatever be its age. Or save an older person from the horror of that fate. Enable me to be alert and hear the weakest shout, and quickly and efficiently to put the fire out.” – A.W. Smokey Linn

Ein Auszug aus dem sogenannten „Firefighter’s Prayer“ – das Gebet, mit dem die diesjährigen FireFit World Championships in Kanada eröffnet werden. Die Zeremonie berührt uns zutiefst. Jede Sportlerin, jeder Sportler wird persönlich auf den Parcours gerufen. Gemeinsam gedenken wir den verstorbenen Kameraden und lauschen der kanadischen Nationalhymne. In Gedenken an Queen Elizabeth II. erklingt die britische Nationalhymne. Die kanadischen und britischen Flaggen hängen auf Halbmast. Für alle, aber besonders für die Athlet:innen aus dem Vereinten Königreich, ein sehr bewegender Moment.

Die deutschen Feuerwehrsportler bei der Eröffnungszeremonie auf dem FireFit Parcours

Kennenlernen der Kanadier

Im Anmeldezelt begrüßt uns Hilary McRoberts, die „Mutter der FireFit“. Vor 29 Jahren richtete sie zusammen mit ihrem Mann die erste FireFit in Kanada aus. Seitdem organisieren und touren die beiden mit dem rot-gelben Wettkampfparcours samt zwölf Meter hohem Turm und ihrer Crew durch den nordamerikanischen Kontinent. Sie persönlich kennenzulernen ist eine Ehre für uns. 2021 hat es das Format „FireFit Europe“ zu uns geschafft, sie stellt das europäische Pendant zum kanadischen Original dar.

Nach dem Check-In im Anmeldezelt und dem Ausfüllen aller nötigen Formulare besichtigen wir den Parcours. Was ist anders als in Europa? Wie laufe ich hier am besten? Wie komme ich am schnellsten den Turm hinauf? Prompt stoßen die kanadischen Kameraden zu uns und geben Tipps. Besonders Brad, der spätere Weltmeister, geht mit uns die Stationen durch, zeigt ein paar Kniffe – ganz ohne Aufforderung, einfach aus Hilfsbereitschaft. Aber nicht nur Brad, auch alle anderen Kanadier sind sehr offen. In ihren Zelten dürfen wir unsere Taschen unterbringen und uns zwischen den Läufen ausruhen. Die Gastfreundschaft ist enorm und wir fühlen uns wirklich wohl. Alles abgelegt konnte es also losgehen.

Die Qualifikationsläufe starten

„GO!“, ruft der Schiedsrichter und reißt die Fahne nach oben. Mit dem 19 Kilo schweren Schlauchpaket renne ich den Turm hoch. Oben angekommen ziehe ich an der 19 Kilo schweren „Donut Roll“ und lege sie in der Box ab. Mit schnellen Füße nach unten, auf die „Force Machine“ und das Gewicht nach hinten hämmern. Dann Slalom, Schlauchziehen und zur Kür: Der Dummy Drag mit der zirka 85 Kilo schweren Rettungspuppe „Randy“. Über 30 Meter rückwärts, bis ich im Ziel lande. Endlich durchatmen, feiern und sich über die ein oder andere „verlorene“ Sekunde ärgern. Abhaken und im nächsten Einzellauf besser machen!

Im Tandem, welches in Kanada „Tech 2“ genannt wird, gibt es zusätzlich noch eine technische Herausforderung: Nach der Force Machine muss die Flasche von der Trägerplatte des ersten Läufers abmontiert werden. Richtig angebracht und das Halteband am Atemschutzgerät geschlossen, kann der zweite Athlet mit der Flasche auf dem Rücken weiterlaufen. In der Staffel wiederum gibt es eine Taschenlampe, die klassisch als Staffelstab dient. Als die Qualifikationsläufe vorüber waren, stellen wir fest: Wir konnten uns alle für die Finaltage qualifizieren! Am Wochenende dürfen wir also erneut antreten.

Andere Länder, gleiche Sitten

Vor den Läufen herrscht bei jedem von uns höchste Konzentration. Trotzdem kommt der Spaß nicht zu kurz. Wir tauschen uns viel mit den Kanadiern aus, essen und lachen zusammen, probieren neue Techniken aus oder begutachten die Ausrüstung der anderen. Die europäische und nordamerikanische PSA (persönliche Schutzausrüstung) fällt sehr unterschiedlich aus. Zwar sind die Mindestanforderungen an das Material bei beiden gleich, jedoch ist die kanadische Kleidung viel größer, mit mehr Taschen versehen und wuchtiger im Gesamtbild. Dazu die schweren Helme und die „Boots“, welche Gummistiefeln gleichen. Die deutsche Ausrüstung ist leichter, sportlicher und auffälliger in der Farbe. Doch eins vereint beide Ausrüstungen: Die Feuer, die auf der ganzen Welt gleich brennen.

Bei unseren Läufen tragen wir alle den FIRE Eagle 2.0. Die Feuerwehrstiefel mit der neongelben Schutzkappe wecken die Neugier der anderen Wettkämpfer. So wird das deutsche Zelt zum beliebten Treffpunkt, um die Schuhe aus nächster Nähe anzuschauen oder sie anzuprobieren. Auf dem Parcours zeigen wir dann, was die Schuhe mit den gelben Kappen können. An den Finaltagen am Samstag und Sonntag geben wir nochmal richtig Gas, sammeln einige Medaillen und hissen auf dem Podium stolz unsere Flagge. In verschiedenen Altersklassen und Wertungen erringen wir Weltmeister und Vize-Weltmeistertitel, zudem gibt es Bronze-Medaillen und neue persönliche Bestzeiten! Auch beim Feiern sind wir uns mit den Kanadiern einig: Nach dem Ende der Weltmeisterschaft versammeln wir uns alle in der „Greta Bar“, genießen den Abend und stoßen auf unsere Erfolge an.

So haben die deutschen Athlet:innen abgeräumt:

  • Staffel-Weltmeister AK 40/50: HAIX Wild 50’s mit Dietmar Kirsch, Gerd Müller, Heiko Gehrke, Magnus Hirschfeld und Ralf Sikorra
  • Weltmeister Einzel AK 55: Gerd Müller, HAIX Wild 50’s
  • Weltmeister Tandem: Gerd Müller & Magnus Hirschfeld, HAIX Wild 50’s
  • Weltmeister Chief: Martin Lauer
  • Vize-Weltmeister Einzel Female: Meghann Krüger, Team HAIX
  • Vize-Weltmeister AK 50: Magnus Hirschfeld, HAIX Wild 50’s
  • Vize-Weltmeister AK 55: Ralf Sikorra, HAIX Wild 50’s
  • Vize-Weltmeister Tandem Mixed: Meghann Krüger & Pascal Dülge, Team HAIX
  • Vize-Weltmeister Tandem: Heiko Gehrke & Robert Green
  • Platz 3 Einzel AK 55: Dietmar Kirsch, HAIX Wild 50’s
  • Platz 3 Tandem: Dietmar Kirsch & Ralf Sikorra, HAIX Wild 50’s
  • Platz 3 Tandem Mixed: Anna Möller & Martin Lauer
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