Chad Gainey vor einem seiner Werke
Handwerk
Autor: Zach Czirr, Inge Fuchs
Fotos: Chad Gainey

Kunst aus der Kettensäge

Interview mit dem Kettensägenkünstler Chad Gainey

Chad Gainey hat es geschafft, sich einen Namen zu machen – nicht in Stein gemeißelt, aber in Holz geschnitzt! Der 42-Jährige ist professioneller Kettensägenschnitzer aus der Gegend von Panama City in Florida. Seine Skulpturen zieren die Vereinigten Staaten und Kanada. Einige Exemplare sind sogar in Europa zu finden. Als Botschafter für Husqvarna stellt er sein Können und Wissen über Kettensägen weltweit unter Beweis. Im Interview verrät er, wie er mit Hilfe seiner Vorstellungskraft ein großes Stück Holz in Kunst verwandelt.

Chad, wie hast Du mit der Holzschnitzerei begonnen?

Ich habe 2011 mit dem Schnitzen als Hobby begonnen. Als ich aufwuchs, war ein Freund der Familie Kettensägenschnitzer. Er hat mich inspiriert, es auch zu versuchen.

Ist das eine Vollzeitbeschäftigung für Dich?

Es ist mein Vollzeitberuf. Ich werde von Husqvarna gesponsert und schnitze auf deren Veranstaltungen, nehme auch private Aufträge an.

Auf welche Highlights blickst du bisher zurück?

Ich hatte in meiner Schnitzkarriere sehr viel Glück. Als ich mit dem Schnitzen anfing, unterrichtete ich an der High School und verkaufte an den Wochenenden Schnitzereien auf dem Bauernmarkt. Auf einmal hatte ich die Gelegenheit, das Land zu bereisen und an einigen erstaunlichen Orten zu schnitzen. Das National Arboretum in DC ist wahrscheinlich mein Favorit. Durch meine Partnerschaft mit Husqvarna hatte ich die Möglichkeit, an Produktschulungen und Entwicklungsworkshops in der Tschechischen Republik und Italien teilzunehmen.

Wie viele Kettensägen besitzt man als hauptberuflicher Kettensägenkünstler?

Ich besitze etwa 40 Kettensägen. Etwa zehn bis 15 benutze ich zum Schnitzen, die restlichen sind eher Sammlerstücke. Ich sammle gerne die älteren „legendären“ Sägen wie die Husqvarna 2100cd, 266xp, L77, 288xp, 242xp, 346xp und so weiter. Meine Lieblingssägen zum Schnitzen sind die 550xp, 540lixp, 572xp und 592xp.

Hast du Dir alles selbst beigebracht?

Ich bin Autodidakt, aber ich habe im Laufe der Jahre viel gelernt, vor allem auch von anderen Schnitzern gelernt.

Mit so viel Erfahrung hast Du bestimmt ein paar besondere Sicherheitstipps?

Trage immer Deine gesamte PSA: Stiefel, Gamaschen, Augenschutz und Gehörschutz. Du musst Deine Säge so oft benutzen, dass Du Dich mit ihr wohlfühlt, darfst Dich aber nie so sehr daran gewöhnen, dass Du unvorsichtig wirst.

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Du musst Deine Säge so oft benutzen, dass Du Dich mit ihr wohlfühlt, darfst Dich aber nie so sehr daran gewöhnen, dass Du unvorsichtig wirst.

Mit welchem Holz arbeitest Du am liebsten?

Rotes Zedernholz ist wahrscheinlich mein Lieblingsholz zum Schnitzen. Es hat eine dichte Maserung, die Details sehr gut festhält, und ist gleichzeitig weich genug, um schnell zu schnitzen.

Arbeitest Du lieber mit verwurzelten oder gefällten Stämmen?

Ich bevorzuge gefällte Stämme. Die kann ich in meiner Werkstatt in meinem eigenen Zeitrahmen bearbeiten. Das Gute an verwurzelten Stämmen ist ihre Größe. Man kann aus ihnen viel größere Skulpturen schnitzen, weil sie stabiler sind.

Inwiefern hat sich Dein Stil im Laufe der Zeit verändert?

Ich glaube, mein Stil entwickelt sich ständig weiter. Ich denke, dass wir als Künstler immer unsere Arbeit betrachten und Bereiche sehen, in denen wir uns verbessern können.

Woher nimmst Du die Inspiration für Deine Arbeit?

Die meiste Inspiration für meine Skulpturen finde ich in der Natur. Ich liebe es, Wald- und Wassertiere zu schnitzen.

Wie schaffst Du es, Deine Ideen aus dem Kopf ins Holz zu bringen?

Das ist eine schwierige Frage. Manche Skulpturen gehen leichter voran als andere. Manchmal beginne ich mit einer groben Skizze auf dem Holzstamm, was hilfreich ist, aber es ist immer ein Puzzle, bei dem man erst ein Teil finden muss, bevor man weiß, wo das nächste Teil hingehört.

Du schnitzt nicht nur, sondern bemalst Deine Werke auch – mit welchen Farben und Lacken arbeitest Du? 

Ich male mit einer Airbrush, Holzbeize, Sprühfarbe und Acrylfarben. Dann lackiere ich die Schnitzereien mit Holzöl, das für Blockhäuser hergestellt wird, und mit Urethan, je nachdem, wo die Skulptur aufgestellt wird.

Wie lange sind Deine Kunstwerke haltbar?

Die Langlebigkeit der Skulpturen hängt von der Pflege und Instandhaltung ab. Eine Skulptur im Innenbereich hält praktisch ewig. Im Freien müssen sie wie eine Terrasse oder ein Blockhaus neu versiegelt werden. Verwurzelte Bäume müssen jedes Jahr inspiziert und an der Basis gegen Insekten behandelt werden.

Manche Kunstwerke sind eben vergänglich, das kommt aber bestimmt auch auf das verwendete Material an. Bist Du hier schon mal vom Holz abgewichen?

Ich habe schon ein wenig Eis geschnitzt und schnitze gerne Kürbisse, aber Holzschnitzen ist mein Hauptberuf und bei weitem mein Favorit.

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Inwiefern unterscheiden sich die Herangehensweise von Holz zu Kürbis?

Holzschnitzen und Kürbisschnitzen funktioniert überraschend ähnlich. Bei beiden muss man das Material, das man nicht braucht, entfernen. Bei Kürbissen ist es einfacher, das Material zu entfernen, aber bei Holz hat man mehr Freiheit, weil der Kürbis hohl ist.

Du hast in der Fernsehsendung „Halloween Wars“ mitgewirkt – warum hast Du Dich dazu entschieden?

Es war eine großartige Gelegenheit, mit XXL-Kürbissen zu arbeiten.

Hast Du ein Traumprojekt, dass Du eines Tages verwirklichen möchtest? 

Ich habe viele Ideen für Skulpturen, die ich gerne schnitzen würde. Eine meiner Traumskulpturen wäre ein riesiger „lebensgroßer“ Drache, wenn man das so nennen kann. Die Herausforderung an der Sache ist, die Beschaffung des Holzes, die Suche nach einem Käufer und der Transport der fertigen Skulptur.

Chad Gainey hat aus einem Baumstamm zwei Eulen geschnitzt
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