Tarek geht eine Treppe auf einem Dach hinauf
Handwerk
DachdeckerSelbstständig
Autor: Inge Fuchs
Fotos: Karen Hanne

Etwas Eigenes aufziehen

Tarek Legat hat sich vor kurzem als Dachdecker selbstständig gemacht. Die Entscheidung, diesen Schritt zu wagen, hat er auf einer Baustelle in Kanada getroffen. Im Interview erzählt er über seine Beweggründe und wie es bisher läuft.

Tarek, wie hast Du die Entscheidung getroffen, Dich selbstständig zu machen?

Nachdem ich im Betrieb meines Stiefvaters einen Schlussstrich gezogen habe, bin ich erstmal zum Arbeiten nach Kanada gegangen. Ich habe mich nicht mehr wohl gefühlt, habe eine neue Herausforderung gebraucht und wollte meinen eigenen Weg gehen. In Kanada habe ich mir Gedanken gemacht, wie es bei mir beruflich weitergehen soll. Irgendwie habe ich mir schon immer gedacht, dass ich selbst was erreichen möchte oder mich selbst verwirklichen möchte. Und ja, für mich ist das eine große Herausforderung, mich jetzt selbstständig zu machen. Bisher läuft es überragend, also denke ich, dass es auch der richtige Schritt war.

Das heißt, Du übernimmst kein bestehendes Unternehmen, sondern Du baust dir von Grund auf selbst was auf?

Ich habe mich entschieden, ein eigenes Unternehmen zu gründen und auch gegen eine Übernahme. Einfach weil ich dann meine eigenen Impulse oder meine eigenen Denkweisen benutzen kann und auch in dem Sinne nicht auf irgendwelche alten Muster eingehen muss, sondern wirklich neu, digitalisiert – einfach meine Träume verwirklichen kann.

Tarek bearbeitet eine Kaminverkleidung mit einem Schieferhammer

Seit wann bist Du selbständig und was musstest Du dafür grob alles tun?

Ja, also ich habe es am Anfang ein bisschen unterschätzt, was mit so einer Gründung alles zusammenhängt. Ich habe mich am 23. Dezember tatsächlich selbstständig gemacht. Das lag daran, dass ich den Gründungszuschuss beantragt habe und man den immer nur bis zu einem bestimmten Zeitpunkt bekommt, und da war eben die Frist zu Ende.

Man muss sich mit allem möglichen beschäftigen, zum Beispiel mit Versicherungen. Das ist auch wichtig, damit man einfach abgesichert ist, falls irgendwas passiert. Vor allen Dingen im Dachdeckerhandwerk. Dazu kommen rechtliche Themen. Und die ganzen Lieferanten, mit denen man sich treffen muss. Mittlerweile kann ich schon die SEPA-Lastschriftmandate auswendig. Genauso bei der Gewerbeanmeldung, wie viele Formulare man da ausfüllen muss – es sind auf jeden Fall viele Prozesse, die da ablaufen. Und natürlich muss man sich auch darum kümmern, dass man eine perfekte Ausstattung hat, Transporter, Maschinen… ja, da kommt einiges auf einen zu.

Hattest Du Hilfe oder hast du Dir die ganzen Informationen selbst besorgt?

Vieles habe ich mir selbst erarbeitet. Ich hatte aber auch Freunde, die mir geholfen haben. Ich habe auch alle Stellen, die einen da unterstützen, in Anspruch genommen, zum Beispiel die Handwerkskammer. Die bietet kostenlos Hilfe bei der Existenzgründung an, das sollte man auf jeden Fall in Anspruch nehmen. Genauso wie den Versicherungsmakler des Vertrauens. Das sind lauter so Dinge, wo man sich vorher nicht mit beschäftigt hat und auch keinen Überblick hatte. Man geht halt zu den Leuten hin, holt sich mehrere Meinungen ein, aber letztlich muss man selbst entscheiden was richtig ist.

Tarek arbeitet auf einem Hausdach in Coburg

Drei Monate Selbständigkeit sind vergangen. Wie fühlt sich diese Entscheidung für Dich an – freust du dich oder machst du dir auch Sorgen?

Klar macht man sich als selbstständiger Sorgen. Es ist ungewohnt, dass man abends noch arbeiten muss oder dass man nachts nicht einschlafen kann, weil man sich einfach Gedanken um das Große und Ganze macht. Vor allen Dingen auch, wenn man Mitarbeiter hat. Da kommen dann Ängste, dass was vielleicht nicht so funktioniert, wie man es sich vorstellt. Aber im Endeffekt kann man mit Fleiß und mit Ehrgeiz alles erreichen. Deswegen denke ich, dass es definitiv die richtige Entscheidung war. Aufträge habe ich, Nachfrage ist ohne Ende da – alles perfekt!

Haben deine Erfahrungen in Kanada Einfluss auf diese Entscheidung gehabt?

Auf jeden Fall. In Kanada kam ich zur Ruhe, hatte Zeit für mich und das ist auch ein wichtiger Prozess, dass man allein mal über seine Entscheidungen, über seine Träume oder was auch immer nachdenkt. Aus der Zeit kam ich dann gestärkt raus und wusste, dass ich das machen möchte.

Wie hat dein Umfeld, also Familie, Freunde, Kollegen, auf deine Entscheidung reagiert?

Es gab verschiedene Meinungen dazu. Die einen waren überrascht, weil so ein Schritt allein und vor allem in meinem Alter auch ziemlich krass ist. Andere haben gesagt: Du machst es genau richtig; Das ist das Beste, was Du machen kannst. Die haben mich dabei immer unterstützt.

Mehr zu Tareks Erfahrungen in Kanada liest Du in unserem Beitrag „Als Handwerker in Kanada“.

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