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Autor: Christina Heckl
Fotos: Christina Heckl

Zwischen bedrohten Vögeln, Spargelbratwurst und Social Media

Es ist kurz nach acht Uhr morgens, nahe der Stadt Soest. Bei seiner morgendlichen Fahrradrunde mit Hündin Daisy bleibt Friedrich Dieckmann plötzlich stehen, blickt über eines seiner Felder und deutet auf einen Kiebitz, der mit schnellen Bewegungen über dem Boden kreist. Für viele Menschen einfach nur ein Vogel, für den jungen Landwirt ein besonderer Moment.

Der Bodenbrüter gilt in Deutschland als stark gefährdet und steht auf der Roten Liste. Dass er heute wieder auf den Flächen der Familie zu sehen ist, bedeutet Friedrich viel. „Das sind einfach Momente, die mich total glücklich machen“, sagt er stolz. Für ihn sind sie der Beweis, dass sich seine Bemühungen auszahlen die Blühflächen, die Rückzugsorte und seine Art, Landwirtschaft zu betreiben.

Verwurzelt auf dem Familienbetrieb

Gemeinsam mit seiner Familie bewirtschaftet Friedrich rund 100 Hektar Ackerland. Angebaut werden Weizen, Gerste, Triticale, Mais und Ackerbohnen. Die Besonderheit des Betriebs aber wächst auf etwa zehn Hektar Sonderkultur: Grünspargel. Seit mittlerweile 35 Jahren gehört er fest zum Hof dazu.

Gerade während der Saison sind die Arbeitstage des Landwirts stark vom Spargel bestimmt: Ernten, sortieren, waschen, bündeln … Auch im Hofladen dreht sich aktuell vieles um den Spargel: Dieses Jahr hat die Familie eine eigene Spargelbratwurst ins Sortiment aufgenommen. Die sei mittlerweile ein echter „Renner“, erzählt Friedrich lachend.

Friedrich kennt den Hof, seitdem er denken kann. Er ist mit und in der Landwirtschaft großgeworden. Dort, wo er früher als Kind gespielt hat, trägt er heute Verantwortung und gestaltet die Zukunft des Betriebs mit. Während sein Vater viele Arbeiten auf dem Hof übernimmt, kümmert sich Friedrich neben dem Spargel um den Ackerbau, die Organisation, Büroarbeit und Vermarktung. Dazu kommt noch ein weiterer Bereich, der inzwischen fest zu seinem Alltag gehört: Auf Social Media gibt Friedrich regelmäßig Einblicke in das Leben auf dem Hof und erreicht damit tausende Menschen weit über die Landwirtschaft hinaus.

Verantwortung für das, was bleibt

Viele Werte, die ihn heute prägen, habe ihm sein Vater vorgelebt: „Es geht nicht darum, sich selbst zu bereichern an einem Betrieb“, sagt Friedrich. Viel wichtiger sei es, das Land so zu bewirtschaften, dass auch die kommenden Generationen noch gut davon leben können. Verantwortung für Umwelt, Tiere und Natur zu tragen, sei ihm wichtig. Besonders am Herzen liegt ihm das Thema Artenvielfalt. „Wenn man eine (…) Hand Boden nimmt, dann sind da mehr Mikroorganismen, als wir Menschen auf der Welt sind, drin“, erzählt er begeistert.

Friedrich möchte sich selbst beweisen, dass er mehr Artenvielfalt auf seinen Flächen schaffen kann als noch vor fünf oder zehn Jahren. Und in zehn Jahren möchte er dasselbe erneut sagen können. Seine Flächen versteht er dabei als „Leihe auf Zeit“, mit der Verantwortung einhergehe: „Viele haben die Möglichkeit nicht, die wohnen in der Stadt, die haben eine kleine Wohnung, haben fünf Quadratmeter Rasen oder sowas, die können nicht viel machen für die Natur. Aber ich, der das Land hat, der kann es machen.“

Um diese Ziele zu erreichen, setzt Friedrich auf eine möglichst bodenschonende Bewirtschaftung und mehr Raum für Natur. Indem er Blühflächen, Brachflächen und Hecken anlegt, möchte er Nahrung und Lebensraum schaffen für Insekten, Niederwild und gefährdete Tierarten. Dass inzwischen seltene Vögel wie die Feldlerche oder der Kiebitz auf seinen Flächen auftauchen, bestärkt Friedrich in seinem Weg. Denn genau so stellt er sich die Landschaft vor, die er bewahren und weiterentwickeln möchte: lebendig, vielfältig und voller Arten, die hier wieder einen Platz finden.

Gegen alte Bilder im Kopf

Trotzdem merkt Friedrich immer wieder, dass viele Menschen ein falsches und oft negativ besetztes Bild von Landwirtschaft haben. Landwirte würden häufig vor allem als Verursacher von Umweltproblemen oder Klimawandel wahrgenommen und weniger als diejenigen, die Arten- und Naturschutz aktiv mitgestalten können. Gleichzeitig halte sich bis heute ein veraltetes Bild des Berufs. „Also wer glaubt, dass die Landwirtschaft nur im Stall stattfindet oder auf dem Traktor, der lebt in 2026 hinter dem Mond. Ist so“, sagt er deutlich. Moderne Landwirtschaft arbeite längst mit Drohnen, Kameras und KI-Systemen.

Genau deshalb sieht Friedrich es als seine Aufgabe, aufzuklären und Landwirtschaft für Außenstehende greifbarer zu machen. Auf Social Media gibt er Einblicke in seinen Alltag, erklärt Prozesse, spricht über Nachhaltigkeit und zeigt auch die Herausforderungen des Berufs. Besonders freue es ihn, wenn ihm Menschen ohne landwirtschaftlichen Hintergrund schreiben, dass sie durch seine Inhalte erstmals die Abläufe in der Landwirtschaft besser verstehen und vieles dazulernen konnten. „Das ist einfach die schönste Rückmeldung, die man da kriegen kann“, sagt er.

Dabei zeigt Friedrich bewusst nicht nur die Arbeit auf dem Feld. Neben dem Hofalltag macht er Triathlon, spielt Fußball und interessiert sich für Politik. Dass manche Menschen überrascht reagieren, wenn ein Landwirt auch Hobbys und Freizeit hat, erlebt er regelmäßig. Gerade deshalb sei es ihm wichtig zu zeigen, dass Landwirte auch ein Leben außerhalb des Betriebs haben dürfen und sollen. Denn das sei laut Friedrich sehr wichtig: „Wir Menschen brauchen das, wir müssen raus, wir müssen was anderes sehen, was anderes machen, um den Kopf frei zu kriegen, um sich neu zu justieren, um den Horizont auch zu erweitern.“

Der schönste Beruf der Welt

Zwar habe man in dem Beruf nie eine absolute Sicherheit – weder finanziell noch mit Blick auf Wetter, Ernte und Ertrag. Trotzdem würde Friedrich jungen Menschen die Landwirtschaft jederzeit ans Herz legen. Für ihn gibt es „nichts Schöneres (…), als in und mit der Natur arbeiten zu dürfen. Jeder Tag ist anders. Keiner ist wie der Tag zuvor.“

Vor allem aber empfindet er seine Arbeit als sinnstiftend. „Wir ernähren die Menschen. Und was gibt es Wichtigeres als die Lebensmittelproduktion? Und schon allein aus diesem Grund, würde ich sagen, ist das der beste und schönste Beruf, den man haben kann.“

Besonders glücklich machen ihn dabei oft die einfachen Momente: Wenn sich das Getreide gut entwickelt, nach Monaten der Arbeit schließlich die eigene Ernte in den Händen liegt oder hoffentlich bald die ersten Kiebitze auf seinen Feldern schlüpfen. Das sind die Momente, für die er jeden Tag arbeitet. „Was Besseres gibt es doch gar nicht.“

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Montage mit Meerblick

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