Manche Kilometer sind „tricky“. Manche nervenaufreibend und wieder andere einfach nur zum aus der Haut fahren. Aber wenn die HAIX TowerTruck Driver auf Tour gehen, gibt‘s „kein Problem, das wir bisher nicht in‘ Griff gekriegt hätten“, lacht Dirk. Nur er, Olaf und Daniel lenkten bislang den TowerTruck. Nach dem Event in Zürich kommt noch einer dazu: Leon, damals 28, von Beruf Maschinenführer und vom ersten Kilometer an „total heiß drauf, das 21-Meter-Ding“ über den Asphalt zu lenken.
Zürich, Montag, 7:30 Uhr, alles ist verpackt. Die European FireFit in der Schweiz war wieder ein mega Erfolg. Die Organisation lief wie am Schnürchen. Auch wenn’s der Himmel über den Alpen nicht wirklich gut meinte mit den Firefightern und es zeitweise in Kübeln auf den Parcours schütten ließ. Was die Feuerwehrsportler im Alpenland zwar nicht davon abhielt, allen Wetterwidrigkeiten zum Trotz, top Leistungen vor großem Publikum abzuliefern.
Was andererseits die fleißigen Hände hinter den Kulissen leisten, wenn das Equipment beim Abbau nass ist und ebenso verstaut werden muss – und nicht nur dann – sieht kaum einer. Ein Team von mittlerweile 40 freiwilligen Helfern hält die European FireFit Championships am Laufen. Nicht alle sind immer dabei. „Optimalerweise 21“ sollten es für Teamleader Daniel Berger pro Event sein. Selbstverständlich packt der 41-Jährige Niedersachse dabei immer selbst mit an, zur Not sogar mit eingegipstem Arm wie in Zürich. „Alles Routine!“, sagt er. Gepaart mit einer unvermeidlichen Portion Improvisationstalent, möchte man gerne ergänzen.
Über 700 Einzelteile
Wenn alles abgebaut und eingeladen ist, sind 120 gelbe und ebenso viele rote Matten verstaut. Jedes Teil 1,20 x 2,10 Meter groß, an die 15 Kilo schwer und an seinem zugewiesenen Platz. Von A wie Atemschutzequipment bis Z wie Zeitmaschine weiß jeder vom harten Kern der Truppe, wo was hin muss: Die Schlagmaschinen, die Feuerwerfer, die Hämmer, die Zelte, die Soundanlage, die Regiestühle, die Unterlegplatten zum waagerechten Austarieren des Towers, die Absperrgitter, die Staffelstäbe, die Rescue Randys, die Beach Flaggs, Werbebanner, und…und…und… „Pi mal Daumen über 700 Einzelteile“, schätzt Daniel Berger, der als Supervisor den Überblick hat.
Für das Team so etwas wie „Business as usual“ im inzwischen 4. Jahr der European FireFit Tour? Doch eines ist an diesem Tag in Zürich neu. Die drei altgestandenen Truckdriver Dirk, Olaf und Daniel, manchmal unterstützt durch Martin, bekommen Zuwachs.
Raus aus der altehrwürdigen Schweizer Metropole sind die ersten Kilometer „echt tricky“. 21 Meter Länge und 34 Tonnen auf sieben Achsen – da lässt Dirk, der alte Hase im TowerTruck, es sich nicht nehmen, das Ding mit seinen drei Metern Überlänge selbst zu lenken. Gleich hinter der Stadtgrenze aber ist Fahrerwechsel. Die Jungfernfahrt für Leon, den Newcomer am Steuer des Scania. Im wahren Leben arbeitet der 29-Jährige im Bauhof seiner Heimatgemeinde nahe Hannover als Kraftfahrer für Spezialfahrzeuge und er weiß: „Langweilig wird‘s mit so einem Gefährt wie dem TowerTruck nie.“ Wenn die Außentemperaturen hoch gehen, geht den kleinen Zwillingsreifen unter dem Turm nicht selten spontan die Luft aus – und „die Reifenplatzer passieren meist dort, wo man sie am wenigsten haben will“, wissen die TowerTrucker.

EU, EM und Windstärke 8
Geht es in die Schweiz, muss, weil nicht EU-Land, jede Schraube, jedes Werkzeug, jedes kleine Teil einzeln beim Zoll aufgelistet und eine fünfstellige Kaution hinterlegt werden. Drei Tage später bei der Rückfahrt dasselbe Spiel, nur in die andere Richtung. Die zeit- und nervenaufreibende Abwicklung ist Sache des Fahrers.
Auf dem Weg nach Szolnok zur FireFit EM in Ungarn 2025 kapitulierte unmittelbar nach dem Zwischenstopp in der HAIX-Zentrale in Mainburg der Antriebsstrang der Zugmaschine. Endstation!? Kurzfristiger Ersatz war nur in Fulda aufzutreiben. Einer musste also über Nacht die knapp 300 Kilometer zurück nach Fulda und die Ersatzzugmaschine bis zum nächsten Morgen nach Bayern bringen – natürlich der Jüngste. Daniel und Dirk recherchierten unterdessen nach Ersatzteilen, wurden via Internet fündig. Aber Beschaffung, Einbau und Reparatur, das ist auch für die altgedienten Tower Piloten „…eine andere Sache“.
Wenn der Turm erst mal steht, dann bringt ihn nichts aus der Ruhe – außer vielleicht Böen mit Windstärke 8+, wie in Bresslau oder letztes Jahr in Gera. Da stößt zwar die solide Stahlkonstruktion des hydraulisch aufstellbaren Haix Towers noch lange nicht an ihre physischen Grenzen, aber „es wäre ab dann einfach zu gefährlich raufzugehen“, sagt Daniel Berger. Zweimal in knapp vier Jahren kam es vor, dass ein FireFit Event unterbrochen werden musste. Zwei Stunden, dann ließen die Böen nach. Die Wettbewerbe holten mit leichter Verzögerung in der Finalrunde wieder auf. Nur die TowerCrew stand jeweils bis spät in die Nacht auf dem Platz und baute ab. „Das gehört dazu“, sagt Daniel und setzt sein sympathisches, ruhiges Lächeln auf. Wenn immer alles reibungslos laufen würde, wär’s irgendwann langweilig. Aber Leon als zusätzlichen Mann am Steuer der Tower-Zugmaschinen können sie mehr als gut gebrauchen. Zumal der Youngster am TowerTruck-Lenkrad ohnehin am liebsten auf jede Tour mit dem „21-Meter-Ding“ gehen würde.











