Einsatz
Waldbrand Katastrophenschutz Feuer Wald
Autor: Karen Hanne
Fotos: Karen Hanne

Gemeinsam gegen das Inferno

Beim Teamdienst der Katastrophenschutzorganisation @Fire kommen Mitglieder verschiedener Blaulichtorganisationen zusammen, um den Ernstfall zu üben: Einen simulierten Flächenbrand nahe einer Wohnsiedlung. Denn wenn es hart auf hart kommt, muss jeder Handgriff sitzen.

Jan Soldner sitzt gemeinsam mit anderen Freiwilligen am Samstagmorgen im Besprechungsraum der Feuerwache Gernlinden und hört dem Briefing von Thorsten Sprenger zu. Als einer der erfahrenen Teilnehmer leitet und betreut Thorsten den Teamdienst. „Wir haben einen Vegetationsbrand mit moderater Intensität“, sagt er und deutet auf ein farblich markiertes Gebiet auf einer Satellitenkarte. Bereits vor der eigentlichen Übung gilt es für die Teilnehmer des Teamdienstes, die essenziellen Infos zu notieren: Ausbreitung des Feuers auf der Wiese und im Wald, Windrichtung und Wetterbedingungen im Laufe des Tages, Brandverhalten, topografische Gegebenheiten, Bebauung. „Das oberste Ziel ist, dass die Leute sicher nach Hause kommen“, sagt Thorsten – bei der Übung und im Einsatz.

Internationaler Katastrophenschutz

@Fire ist eine Katastrophenschutzorganisation mit Sitz in Deutschland, die nach internationalem Standard ausbildet und ausgebildet wird. Die Organisation spezialisiert sich auf die Bekämpfung von Wald- und Vegetationsbränden. Sie kommt dort zum Einsatz, wo die lokalen Kräfte an ihre Grenzen stoßen: Bei großen Einsätzen, die sich oft nicht nur über enorme Gebiete erstrecken, sondern sich auch über Tage und Wochen ziehen können. Hand in Hand mit den lokalen Rettungskräften unterstützt @Fire überall dort im In- und Ausland, wo Hilfe benötigt wird. Außerdem bietet die Organisation Ausbildungen an.

Sowohl Thorsten als auch Jan sind zu @Fire gekommen, nachdem es in ihren Gebieten Wald- und Flächenbrände gegeben hatte. „Ich bin dann auf @Fire gestoßen. Ich dachte mir, das ist cool, was die machen, super vielfältig, und hab mich dann beworben“, erzählt Jan.

Zwischen Wundstreifen und D-Schläuchen

Nachdem die schweren Rucksäcke gepackt sind, marschiert der Trupp los in Richtung Einsatzgebiet. Bei moderatem Tempo – knapp unter Laufschritt – und jeweils mit schwerem Gepäck und Geräten beladen, legen die Teilnehmer drei Kilometer zurück, bis sie an einer Wiese mit angrenzendem Waldstück stehen.

Nachdem Squatleader Sven die Geräte auf seine Mannschaft verteilt hat, geht es auch schon los. „One step, one hit“ heißt es zunächst, um im Wald einen Wundstreifen anzulegen. Während Jan und Thorsten die Vorhut bilden und mit der Kettensäge Baumstämme und Äste aus dem Weg räumen, graben Sven und die übrigen Teilnehmer einen etwa halben Meter breiten Streifen durch den Wald. Auf diese Weise soll dem simulierten Feuer das Brennmaterial genommen werden, um es gezielt einzudämmen. Mit schweren Werkzeugen tragen die Männer Laub, Erde und Wurzeln ab.

Kurz nach Mittag rollt das Löschfahrzeug an, um die Gruppe mit Wasser zu versorgen. In zwei großen Faltbehältern speichern die Einsatzkräfte einen Vorrat, bevor es in der zweiten Tageshälfte an die Schlauchverlegung geht. Meter für Meter arbeitet sich die Gruppe vor und zieht eine lange Leitung aus C- und D-Schläuchen entlang des Wundstreifens. Jan geht voran und benässt Boden und Bäume entlang der Linie.

Zum Abschluss der Übung erklärt Thorsten noch das Vorgehen bei einer Gebäudetriage: Welche Häuser sind besonders gefährdet im Brandfall, welchen Einfluss haben dabei Hecken, Reisighaufen, Gartenhütten oder gestapeltes Brennholz? Wie lässt sich ein Gebäude gegen ein Feuer sichern und wo muss auf jeden Fall evakuiert werden? Eines hat bei allen Vorgängen, ob nun simuliert oder real, die allerhöchste Priorität: „Eure eigene Sicherheit geht immer vor.“

Ein erfolgreicher Teamdienst

Zurück an der Feuerwache müssen erstmal Schuhe und Werkzeuge von Matsch befreit werden, bevor es ans Aufräumen geht. Die Erschöpfung nach einem harten Tag auf dem Feld ist spürbar, aber ebenso die gute Stimmung. „Wenn wir in den Einsatz gehen, ist es unerlässlich, dass wir ein gut harmonierendes Team haben“, erklärt Thorsten. „Es ist wichtig, dass man offen kommuniziert und aufeinander zugehen kann – immer auf Augenhöhe.“

Auch für Jan ist die Kameradschaft ein ausschlaggebender Teil. „Man zieht gemeinsam an einem Strang. Es ist eine Teamleistung, die man erbringt.“ Der Teamdienst von @Fire zeigt: Gemeinsam geht vieles leichter. „Zusammenhalt ist enorm wichtig. Jeder hilft jedem, das ist die Essenz einer Crew. Ohne geht es nicht.“ Wichtig ist, dass sich in großen, unübersichtlichen Situationen jeder auf den anderen verlassen kann. Nur mit Teamgeist und Routine lassen sich selbst gefährliche Großbrände bekämpfen.

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