Jeder Griff muss sitzen. Jede Sekunde zählt. Im sportlichen Wettbewerb wie im realen Einsatz. Entsprechend geht es beim Südtiroler Leistungsbewerb der Landesfeuerwehren und der Landesjugendfeuerwehren um Disziplin, Schnelligkeit, Genauigkeit und Teamwork. Es geht aber auch um Engagement, kameradschaftlichen Austausch, die Bedeutung des Ehrenamts und die Nachwuchsförderung – und ein wenig um die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr in Lengmoos/Klobenstein.

Man schrieb den Sommer 1900, als in Klobenstein eine herrliche, alte Villa bis auf die Grundmauern niederbrannte, weil es an schneller Hilfe fehlte. Noch im gleichen Sommer startete die Initiative. 92 Männer folgten dem Aufruf von Gemeinde und Pfarrer „zur Selbsthilfe für den selbstlosen und gemeinsamen Einsatz zum Wohle der Bevölkerung“: Die Geburtsstunde der Freiwilligen Feuerwehr Lengmoos/Klobenstein. Zum 125-jährigen Jubiläum zeigte die kleine Südtiroler Gemeinde hoch über Bozen mit ihren rund 60 aktiven Feuerwehrlern ihr eigenes Leistungsvermögen und wurde zum Ausrichter der größten Feuerwehrwettbewerbe des Landes.
Gerhard Prantner ist „stolz, dass wir den Zuschlag für diese Veranstaltung erhielten“. Das ist die größte ihrer Art in ganz Südtirol: In der Rittenarena, 1.200 Meter hoch über Bozen vor der herrlichen Kulisse der Dolomiten gelegen. Doch die Hitze macht auch vor der Höhe nicht halt. 37 °C zeigt das Thermometer am frühen Nachmittag des ersten Wettkampftages an – im Schatten. Doch Schatten gibt es im weiten Oval der Arena, die im Winter zur Eisschnelllaufbahn gefriert, nirgends.




3.100 Teilnehmer
Eineinhalb Jahre haben Gerhard Prantner und sein Team von der Freiwilligen Feuerwehr in die Vorbereitung dieses 2-tägigen Mega-Events gesteckt, dabei 3.100 aktive Teilnehmer beherbergt, versorgt und Zeltlager für die rund 1.200 Jugendliche errichtet. 130 Gästegruppen aus Oberösterreich, Deutschland und der Slowakei, Schiedsrichter, Helfer und Ehrengäste mussten untergebracht werden.
„Von der besten Seite“ möchten sie sich präsentieren, sagt der Präsident des Organisationsteams. Das ist den Südtirolern auf dem rund 8.000 Einwohner zählenden Hochplateau über Bozen gelungen, nicht zuletzt, weil sie ihrem Ruf als pragmatische Netzwerker alle Ehre machten: Hotels, Tourismusverein, Gemeinde – alle zogen mit. Apropos Ehre – die komplette Organisation wurde von dem 30-köpfigen Vorort-Team ehrenamtlich gestemmt. Von der Jugendbetreuung, über die Gastro-Organisation, dem Sponsoren-Marketing und allem, was bei einer solchen Veranstaltung aufschlägt.
Der Wettbewerb
Bei den Wettbewerben steht die Gruppe im Mittelpunkt bei Löschangriff und Staffellauf. Die Bewertung erfolgt nach einem Punktesystem, ausgehend von der Maximalzahl von 500 Punkten. Zeitüberschreitungen und Fehlerpunkte werden davon abgezogen. Mindestens 310 Punkte muss eine Gruppe erreichen, um überhaupt als erfolgreicher Teilnehmer ausgezeichnet zu werden. Für die 17 bis 65 Jahre alten Teilnehmenden werden ab einem bestimmten Gesamtalter der Gruppe zum Ausgleich „Alterspunkte“ gutgeschrieben.

Jugend in den Startlöchern
Die Altersklassen unter 12 sowie die Jugend von 12 bis 17 kämpfen um Leistungsabzeichen in Bronze und Silber. Für „Bronze“ tritt jedes Mitglied mit einer selbst bestimmten Funktion in der Gruppe an. Bei „Silber“ wird vor dem Start ausgelost. Wie im realen Einsatz muss jede Teilnehmerin, jeder Teilnehmer alle Funktionen beherrschen.

Generationenübergreifend und international
Der Eisring wird am ersten Tag zur Wettkampfstätte der Nachwuchswettbewerbe mit fast 1.200 gemeldeten Jugendlichen und einem eigenen Wettbewerb für die jüngsten Feuerwehrsportler, die Zehn- bis Zwölfjährigen.
Später beim Wettbewerb der aktiven Feuerwehrler schellen Kuhglocken von der Tribüne. Bernd und Elias feuern ihre Kameraden und Kameradinnen lautstark an. In „52-Mann-Stärke“ sind die beiden mit ihrer Feuerwehr aus Höchst in Vorarlberg angereist. Im Gepäck zwei riesige Kuhglocken vom Almabtrieb zuhause. „Ich möcht koane Kuh sein“, sagt Elias im Vorarlberger Dialekt und drückt mir sein Exemplar in die Hand. 15 Kilo haben die Kühe am Hals, wenn es von der Alm runter zum Bodensee ins Winterquartier geht. Rund 18.000 Euro ist eine dieser Glocken wert. „Handgemacht“ – versteht sich. Nur noch wenige Glockenschmiede beherrschen dieses Handwerk, erzählen sie stolz. In der Hitzeschlacht von Ritten müssen die Feuerwehrsportler sie Gottseidank nicht um den Hals tragen, aber sie treiben ihr Team von der Tribüne aus ohrenbetäubend zur absoluten Topleistung an.
Eine Feuerwehr-Truppe aus Südtirol hat ihre eigenen Cheerleader mitgebracht und beim Lokalderby der FF Lengmoos/Klobenstein gegen die benachbarte FF Oberbozen erreicht die Stimmung ihren sportlichen Siedepunkt.






Respekt
Heißer geht es nur abschließend im zur Eventhalle umfunktionierten Eisstadion zu, wo Sieger geehrt werden und allen Teilnehmern Hochachtung gezollt wird. Wo gefeiert wird bis ins Morgengrauen. Auch wenn manche schneller waren als andere: Gewonnen haben hier alle, mit ihrem Engagement, ihrer Kameradschaft und „dem Zusammenhalt, die unsere ehrenamtlichen Organisationen und Vereine in Südtirol so besonders und unverzichtbar machen“, wie es der Landeshauptmann der Autonomen Provinz Bozen Südtirol, Dr. Arno Kompatscher, auf den Schlusspunkt bringt.










