Die Finanzierung von freiwilligen Feuerwehren ist auf der ganzen Welt ein wichtiges Thema. Öffentliche Gelder von Land und Gemeinden stellen auch in Südtirol den Großteil. Hinzu kommt, dass jeder Bürger hier das Finanzamt anweisen kann, 0,5 Prozent seiner Einkommensteuer an eine gemeinnützige Einrichtung zu spenden, ohne dass ihm dabei selbst Kosten entstehen. Die FF Milland in Südtirol fand noch ein weiteres finanzielles Standbein: Eine geheime Rezeptur.
Was muss ein guter Feuerwehrkommandant mitbringen? „Der Christian ist ein sehr organisierter Mensch, der immer ein offenes Ohr für seine Feuerwehrmänner und -frauen hat“, sagt Kaya. Das schätzen sie und die über 50 Kameraden und Kameradinnen bei der Freiwilligen Feuerwehr Milland. Sie wissen aber auch, was sie an dem kreativen Engagement ihres Chefs haben.
„87 Einsätze, 33 Übungen, 14 Kurse, 5 Veranstaltungen, 1 Team“, ploppt auf der Homepage der FF Milland in Südtirol auf. Das Einsatzspektrum der Brixener Stadtteil-Feuerwehr umfasst Brände, Unwetter, Verkehrsunfälle und technische Hilfeleistungen. Dazu zählen auch Großeinsätze wie der beim Brand in einer industriellen Wäscherei vor ein paar Jahren. Da wurde zwischenzeitlich sogar das Wasser für die Fische knapp: Von nachmittags bis in die frühen Morgenstunden wurde Wasser aus dem vorbeifließenden Eisack für die Brandbekämpfung abgepumpt. Trotz zwölf eingesetzter Pumpen ist der Eisack ein so stattlicher Fluss, dass der Wasserfluss nicht wesentlich beeinträchtigt wurde. Auch solche Einsätze muss man als Freiwilliger neben der Arbeit her stemmen.

Einsatzbesprechung am Fuß der Plose
FF Milland im März: 6 Einsatzfahrzeuge, ein Tanklöschfahrzeug, ein Löschfahrzeug mit Bergeausrüstung, ein Einsatzleitfahrzeug, ein Versorgungsfahrzeug sowie Mannschafts- und Equipmenttransporter stehen im modernen Feuerwehrhaus am Fuß der Plose. Wo sich einst Skifahrer mit der Gondel auf den Hausberg der Brixener bringen ließen, treffen sich an diesem Tag rund 20 Feuerwehrmänner und zwei Feuerwehrfrauen zur Einsatzbesprechung.
Es ist kurz vor eins. „Rettung von zwei Personen aus einem brennenden Haus. Starke Rauchentwicklung“, erklärt Kommandant Christian Knollseisen seinen Leuten gerade, als sich die entspannte Situation schlagartig verändert.

Übung durch Ernstfall unterbrochen
Ein Notruf geht ein. „Jetzt ist‘s ernst!“, sagt Christian, der seine Passion für die Feuerwehr schon als Kind mit Spielzeugautos und Kinderbüchern aufsaugte. Mit zwölf trat er in die Jugendfeuerwehr ein. Mit 17 wechselte er in den aktiven Dienst. Seit elf Jahren ist er Kommandant.
Sechs Mann müssen zu einer notärztlichen Unterstützung. Es geht darum, ein Leben zu retten. Innerhalb einer Minute sitzen sie im Einsatzfahrzeug und sind raus. Erst später erfahren wir, dass aufgrund eines schweren Lawinenunglücks ein Großteil der in der Umgebung stationierten Südtiroler FF, Rettungsdienste und Notärzte zu einem Großeinsatz zusammengezogen wurden und deshalb die FF Milland mit ihren als Ersthelfer geschulten Mitgliedern zur Unterstützung der Rettungskräfte an anderer Stelle angefordert wurde.
Eine Stunde später sind sie zurück. Einsatz erfolgreich. Die Übung kann beginnen.
Ein altes, zweistöckiges Wohnhaus unmittelbar am Ufer der Eisack. Die Nebelmaschinen haben ganze Arbeit geleistet. Im Inneren des Gebäudes ist die Sicht gleich Null. Fehlt nur noch das offene Feuer, ansonsten ist alles bis ins Detail authentisch und der Einsatztrupp geht mit ebensolcher Professionalität vor. Vom Aufbruch verschlossener Türen zum simulierten Zurückdrängen der Feuerwand, der Verhinderung eines möglichen Flash Over, dem Einsatz von Wärmebildkameras und schließlich der Auffindung und Bergung zweier Opfer läuft alles wie am Schnürchen. Sogar die Kameraleute, die sich an diesem Tag ständig ins unmittelbare Geschehen drängen, haben die Freiwilligen Feuerwehrler aus Südtirol ruhig und besonnen unter Kontrolle.
Genau diese Professionalität ist es, die Kaya so schätzt. Mit 17 ist sie als erste Feuerwehrfrau im Brixener Stadtteil von der Jugendfeuerwehr in den aktiven Dienst übergetreten, hat alle vorgeschriebenen Kurse absolviert. Jetzt, mit ihren knapp 20 Jahren, sitzt sie neben ihrem Kollegen Hofer im Leitfahrzeug und übernimmt die Atemschutzüberwachung des simulierten Übungseinsatzes ihrer Kameraden und Kameradinnen.
Es ist einfach schön zu wissen, dass man da sein kann, wenn jemand Hilfe braucht, sagt die junge Feuerwehrfrau: „Helfen zu können“, wenn es wortwörtlich brennt. „Es macht aber auch Spaß dabei zu sein“, sagt sie, „nicht nur bei Einsätzen, sondern auch von der Kameradschaft her“. Im Obergeschoss ihrer Feuerwache haben sie einen großen Veranstaltungsraum ausgebaut, wo man sich nicht nur nach einer Übung wie dieser gerne trifft.
Ihr Kommandant schätzt an Kaya, dass sie einst die erste Frau in der Freiwilligen Feuerwehr Milland war. 13 war sie damals, als sie gemeinsam mit einer Freundin in die Jugendfeuerwehr eingetreten ist. Die Freiwillige Feuerwehr hatte Briefe für Nachwuchswerbung an die Haushalte versendet „und da dachten wir: Das schauen wir uns mal an“, erinnert sich die Südtirolerin. Seine Feuerwehrfrauen haben auch dem Team gutgetan, sagt Kayas Kommandant nicht ohne Stolz. Was sich vor 15 bis 20 Jahren noch keiner vorstellen konnte, hat er erstmals geschafft: Junge Frauen für den Feuerwehrdienst zu motivieren und sie vor allem im Team als vollwertige, aktive Mitglieder zu integrieren. Sie machen den gleichen Job wie ihre männlichen Kameraden. Vier sind es inzwischen. Nach wie vor ein kleiner Anteil unter den 55 Aktiven, aber mit steigender Tendenz.

Wichtige Einnahmen dank Geheimrezept
Christian Knollseisen ist Angestellter der Stadt Brixen und als gelernter Schlosser zuständig für alle Metallarbeiten und die Schließanlagen der öffentlichen Strukturen in Brixen. Sein Chef ist der Bürgermeister der 23.000 Einwohner zählenden, drittgrößten Stadt Südtirols – im Beruf wie in der Feuerwehr. So kann er auch im elften Jahr in seiner leitenden Funktion bei fast 90 Prozent der Einsätze dabei sein. Etwa zehn Leute weiß er hinter sich, die in ihrem Beruf so flexibel sind, dass er auch tagsüber auf sie zählen kann. Obwohl alle ehrenamtlich tätig sind, hält das die Einsatzbereitschaft der FF Milland extrem hoch. Und sie engagieren sich nicht nur bei Einsätzen, sondern auch wenn es beispielsweise um die Finanzierung ihrer Feuerwehr geht. Neben Land, Gemeinden und privaten Spenden ist den Millander Feuerwehrlern mithilfe eines ortsansässigen Metzgers eine weitere, nicht unerhebliche Geldquelle quasi zugeflogen: Ein selbst gebauter Holz-Grillofen und ein äußerst schmackhaftes Geheimrezept für Grillhähnchen. Beim weit über die Landesgrenzen hinaus berühmten Brixener Altstadtfest wurden die Festbesucher schnell Feuer und Flamme für die Grillhendl ihrer Feuerwehr. Die Nachfrage heizte sich derart an, dass inzwischen fünf große Feuerwehr-Grills bei den Stadtfesten glühen. Was den Besuchern mundet, schmeckt auch der Feuerwehr. Der Erlös, den die Goldbroiler abwerfen, hilft, den Fuhrpark der FF stets auf modernstem Stand zu halten. Selbstverständlich bleibt das Rezept für die Gewürzmischung das bestgehütetste Geheimnis bei den Freiwilligen im Eisacktal.











