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Autor: Karen Hanne
Fotos: Tobias Berger

Eine Box für Kitze

Jäger und Landwirte arbeiten Hand in Hand, um Rehkitze aus Wiesen zu retten, die gemäht werden sollen. Um diese wichtige Arbeit zu erleichtern, organisiert Tischlermeisterin Jule Rombey einen Wettbewerb: Wer gestaltet die beste Rehkitz-Box?

Rettung vor der Mähmaschine

An einem lauen Frühsommermorgen wiegt sich das hoch gewachsene Gras auf einer Wiese raschelnd hin und her. Die Natur scheint noch zu schlafen, als ein lautes Rattern und Brummen die Idylle unterbricht. Eine Mähmaschine beginnt, systematisch die Gewächse kurz oberhalb des Bodens abzuschneiden, damit daraus Heu gemacht werden kann. Das Problem: An diesem Sommermorgen liegen auch die Rehkitze noch behaglich in dem hohen Dickicht. Dort sind sie gut versteckt und warten darauf, dass ihre Mutter zurückkehrt. Vorher rühren sie sich nicht vom Fleck – Auch nicht, wenn der Lärm der Maschinen näherkommt.

Einsatz für die Tierbabys

Damit das Leben der kleinen Rehkitze durch die Mähmaschinen nicht gefährdet wird, setzen sich mittlerweile Landwirte und Jägerschaften gemeinsam für deren Schutz ein. Sobald beispielsweise eine hohe Wiese abgemäht werden soll, kann sich der Landwirt an die Jäger in seiner Region wenden. Diese suchen die Fläche dann mit Hilfe von Drohnen und Wärmebildkameras ab. Wenn sie ein Kitz gefunden haben, sammeln sie es vorsichtig ein und bringen es aus der Wiese heraus. Während der Landwirt mäht, müssen die Kitze in Umzugskartons oder Wäschekörben ausharren. Anschließend setzen die Jäger sie an einem geschützten Platz in einem Umkreis von 300 Metern abgesetzt, damit die Mutter sie wieder findet.

Sowohl Kartons als auch Wäschekörbe sind keine optimalen Lösungen für die Kitze. Das hat auch Tischlermeisterin Jule Rombey erfahren. „Unser Jäger vor Ort kam auf mich zu und hat gefragt, ob wir eine Idee für eine Rehkitzbox hätten“, erzählt sie. Er sei in der Rehkitzrettung aktiv, doch die Aufbewahrung und der Transport der Kitze sei ausbaufähig. Beispielsweise muss ein Wäschekorb, der ja nach oben offen ist, ständig bewacht werden. Eine spezielle Box müsste atmungsaktiv, tragbar, fest verschließbar und ineinander stapelbar sein, so dass die Tierbabys einige Stunden darin verbringen und die Jäger die Boxen gut transportieren und nutzen können.

Kreativität gefragt: Wer baut die beste Box?

Jule hat die Chance gesehen und aus der Idee einen Wettbewerb gemacht, der sich nicht nur an Handwerker richtet, sondern auch an Schüler, Jäger und alle, die kreativ sind und gerne mit Holz arbeiten. Auf Instagram hat sie dazu aufgerufen, eine Fertigungszeichnung für eine entsprechende Box auszuarbeiten und einzureichen. Unter allen eingegangenen Beiträgen wählt eine Fachjury dann die besten Entwürfe aus. Die Zeichnungen, die umsetzbar sind, sollen öffentlich bereitgestellt werden, damit jeder, der möchte, eine solche Box bauen kann. „Wir wollen in unserem Betrieb auch ein paar Boxen herstellen und den regionalen Jägern zur Verfügung stellen“, sagt Jule.

Bis zum 29. Februar läuft der Wettbewerb noch, denn ab Mitte März bis Ende Mai werden die Boxen bereits benötigt. Jule hofft nicht nur, dass viele kreative Einsendungen kommen, sondern dass sich die Teilnehmer auch mit den Themen Handwerk, Landwirtschaft und Jägerschaft auseinandersetzen. „Bereits jetzt ist die Resonanz super und es sind viele Leute dabei, die die Rehkitzrettung verbessern möchten.“

Dass am Ende möglichst viele Zeichnungen den Jägerschaften und Innungen zur Verfügung gestellt werden, soll die Rettungseinsätze in Zukunft erleichtern. Die Teams fahren aktuell mit zwei bis drei Autos teilweise bis zu 1000 Kilometer pro Saison. Teilweise sind die Jägerschaften bereits um 3 Uhr früh unterwegs. Erstens brauchen sie genug Leute, um die Wäschekörbe oder Kartons zu bewachen, damit die Kitze nicht zurück ins Feld flüchten. Zweitens nehmen die Behältnisse viel Platz weg, wenn sie nicht ineinander gestapelt werden können. „Natürlich habe ich auch schon eine Idee, wie so eine Box aussehen könnte“, sagt Jule. „Verraten werde ich noch nichts. Ich bin schon so gespannt, wie viele unterschiedliche Zeichnungen uns erreichen werden.“

Maße für die Rehkitzboxen

Die Kitzboxen sollen ein Maß von 600 mm x 300 mm x 300 mm vorweisen. Sie sollen aufeinander stapelbar sein, um den Transport zum Einsatzort platzsparend und einfach zu gestalten. Die Boxen müssen mit einem Deckel fest verschließbar sein und sie müssen durch Lüftungsöffnungen ausreichen Frischluft hineinlassen. Zeichnungen können bis zum 29. Februar 2024 an handwerkhilft@gmx.de gesendet werden. Unter den besten Zeichnungen wählt eine Jury aus Schreinern, Jägern und Sponsoren die Gewinner aus, die unter anderem die Chance auf ein Paar HAIX-Schuhe haben.

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